Inhalt:
MayaModern
MayaModern ist ein Projekt, das aus einer Laune heraus entstanden ist. Fasziniert von den mystisch anmutenden, in Stein gemeißelten oder in den Codizes niedergeschriebenen Hieroglyphen, die aus grotesken Gesichtern, Tierkörpern und anderen seltsamen Formen zusammengesetzt sind, begann ich irgendwann, diese in einem Font zu arrangieren.
Dabei versuchte ich direkt eine möglichst klare Form zu wahren und beschränkte mich daher auf einfache grafische Elemente. Die Glyphen verloren so ein wenig von ihrer ursprünglichen Mystik, aber die einzelnen Elemente waren auch weiterhin noch gut erkennbar. Ausgehend von den Silbenglyphen generierte ich nach und nach immer mehr Glyphen, jede in verschiedenen Größen, um sie anschließend zu Wortglyphen zu kombinieren. Mit der Zeit entstand so eine immer weiter wachsende Sammlung von Maya-Glyphen.
Vor ein Problem stellte mich die Tatsache, dass die Maya-Glyphen noch nicht in Unicode erfasst wurden. Daher musste ich auf die Private Use Area ausweichen, die die Code-Punkte ab E000 umfasst.
Durch diesen Umstand habe ich auch Überlegungen angestellt, wie man den riesigen Glyphen-Bestand wohl am besten in für Unicode strukturieren könnte, wobei sich hier zuerst die Frage stellt, in welcher Weise man die Glyphen codieren soll.
Für die Codierung in Unicode bieten sich wohl am ehesten die folgenden beiden Möglichkeiten an: Entweder man codiert alle bisher entdeckten Glyphen in Anlehnung an das CJK-System, das bereits in Unicode erfasst wurde oder man codiert nur eine Teilmenge daraus und lässt die restlichen Glyphen durch irgendeinen Algorithmus zusammensetzen. Erfasste man alle Glyphen, so würde sich allerdings eine erhebliche Menge von Code-Punkten ergeben, betrachtet man die Tatsache, dass Maya-Glyphen keine feste inhärente Struktur haben, das heißt, der Schreiber kann selbst nach seinem Sinn für Ästhetik entscheiden, wie er die einzelnen Glyphenbestandteile anordnet und sogar welche und wieviele er verwendet. CJK-Zeichen haben hingegen eine feste Struktur, die sich im Laufe der Jahre immer mehr gefestigt hat. Hier ist die Zahl der Glyphen daher „überschaubar“ (obwohl es auch hier mehrere 100.000 Glyphen gibt). Hinzu kommt die Tatsache, dass immer wider neue Glyphen entdeckt oder entschlüsselt werden. Die Anzahl der zu codierenden Glyphen würde also immer weiter wachsen und man kann so im Vorhinein nur schwerlich den maximalen Umfang aller Glyphen einschätzen.
Damit ist es offenbar sinnvoller, nur eine Teilmenge, nämlich die Grundzeichen zu codieren und die zusammengesetzten Glyphen daraus abzuleiten. Verfolgt man dieses Prinzip, muss man sich zuerst drei Fragen stellen:
1. Welche Glyphen definiert man als Grundzeichen?
2. Soll man zwischen Hauptglyphen und Affix-Glyphen unterscheiden?
3. Wie erreicht man, dass die einzelnen Teile korrekt zusammengesetzt werden?
Die erste Frage klingt zunächst einfach, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die einzelnen Bestandteile von Maya-Glyphen oft mitienander verschmelzen oder stark variieren, ist die Definition von nicht mehr weiter teilbaren Grundzeichen gar nicht so einfach zu beantworten.
Hat man die Grundzeichen herausgefiltert, stellt sich die Frage, ob man zwischen Haupt- und Affix-Glyphen unterscheiden soll. J. Eric S. Thompson hat in seiner Katalogisierung der Maya-Glyphen, die lange Zeit die einzige ihrer Art war, Affix-Glpyhen, kleinere oder schmalere Glyphen, die an der Hauptglyphe kleben, von Hauptglyphen unterschieden. Allerdings stellen diese Affix-Glyphen oft Variationen von Hauptglyphen dar, also grafisch stilisiertere Formen. Martha J. Macri hat in ihrem neuen Maya-Glyphenkatalog die Unterscheidung von Affix- und Hauptglyphen aufgehoben, was ich ebenfalls für sinnvoll halte. Trotzdem werde ich weiterhin die Unterscheidung beibehalten, da dies für typografische Zwecke sinnvoll ist, denn Vollglyphen und grafisch vereinfachte Glyphen (im Folgenden „Teilglyphen“) sind grafisch oft recht verschieden.
Das schwierigste Problem ist wohl die korrekte Zusammensetzung der eizelnen Elemente zu Wortglyphen. Wie sagt man dem Computer, welcher Bestandteil sich wo befinden soll? Eine Möglichkeit dafür sind Ideografische Beschreibungszeichen. Unterscheidet man zwischen Affix- und Hauptglyphen, wäre die folgende Liste von Beschreibungszeichen wohl nötig, um eine grundlegende Beschreibung der Positionierung zu erreichen.
| Beispiel | Marker | Beschreibung |
|---|---|---|
![]() | ![]() | Vollglyphe (alleinstehende Glyphe ohne Zusätze) |
![]() | ![]() | Vollglyphe links mit Vollglyphe rechts |
![]() | ![]() | Vollglyphe oben mit Vollglyphe unten |
![]() | ![]() | Vollglyphe mit Vollglyphe verschmolzen |
![]() | ![]() | Teilglyphe links mit Vollglyphe rechts |
![]() | ![]() | Vollglyphe links mit Teilglyphe rechts |
![]() | ![]() | Teilglyphe oben mit Vollglyphe unten |
![]() | ![]() | Vollglyphe oben mit Teilglyphe unten |
![]() | ![]() | Teilglyphe oben links mit Vollglyphe unten rechts |
| — | ![]() | Teilglyphe oben rechts mit Vollglyphe unten links |
| — | ![]() | Vollglyphe oben links mit Teilglyphe unten rechts |
| — | ![]() | Vollglyphe oben rechts mit Teilglyphe unten links |
| — | ![]() | Vollglyphe von Teilglyphe umgeben |
| — | ![]() | Vollglyphe mit Teilglyphe verschmolzen |
| — | ![]() | Variation |
Trotz der Tatsache, dass diese Positionierungsmarker (im Übrigen auch sie eine bereits angewandte Technik im CJK-Bereich von Unicode) die grundlegenden Probleme der Positionierung lösen können, bleiben dennoch Ambiguitäts-Probleme, wenn mehr als zwei Elemente zu einer Glyphe zusammengesetzt werden können. Dieses Problem kann auch nicht dadurch vollständig aufgehoben werden, nimmt man standardmäßig an, dass die Positionierungsmarker innerhalb einer Zusammensetzung von hinten nach vorne aufgeschlüsselt werden sollen.
Einige Glyphen-Zusammensetzunge können auf diese Weise nicht dargestellt werden:
Eine Möglichkeit, dieses Problem zu beseitigen wäre die Einführung von „Klammern“, die angeben, welche Elemente zuerst zusammengesetzt werden sollen, ähnlich Klammern in der Mathematik. Eventuell wären auch Separatoren für solche Zwecke verwendbar.
Das Rendern von Glyphen unter Verwendung solcher Elemente wie Positionierungsmarkern oder Seperatoren ist sicherlich ziemlich komplex und aufwändig, außerdem basiert es auf einem großen (nicht codierten) Zeichenvorrat, den der Typo-Designer bereithalten muss, und den er mit Hilfe von OpenType-Funktionen oder ähnlichem verknüpfen muss. Betrachtet man aber die Komplexität der Struktur der Maya-Glyphen, so ist dies vielleicht die einzige Möglichkeit, die oben genannten Probleme adäquat zu lösen.























